Vom Umgang mit Sterben und Tod

Medizin-psychologische Reflexionen zu einem Tabuthema
Prof. Dr. Hans Peter Rosemeier, Berlin

Auffassungen vom Tode: Die Vorstellungen vom Tod haben sich seit der Antike mehrfach gewandelt: "Vielleicht ist der Tod besser als das Leben" meinte Sokrates; im Barock finden wir eine gewisse Glorifizierung des Todes; der Religionsphilosoph Pascal entdeckt als das "Beste in diesem Leben ... die Hoffnung auf ein künftiges Leben", Leibniz behauptet als Rationalist: "Kein Lebewesen geht gänzlich unter, es verwandelt sich nur", in der Romantik sehen wir dagegen eine Todessehnsucht. Für Schopenhauer ist "der Tod das wahre Ziel des Lebens" (Choron; Winau).

Erleben von schwerer Krankheit: Die Erlebenswelt der Schwerkrankheit ist voller Ängste: Angst vor Bestrahlung, vor der Nacht, vor einem Rückfall, vor dem Sterben; bei Lebensbedrohung kommen Gefühle des antizipierenden Verlustes und eine Isolation vom gewohnten Umfeld auf.

Sterben der Blätter
Bilmaterial von PixelQuelle.de

Bewältigungsstrategien gegenüber dem Tabuthema „Tod“: Wenn es um das Ende geht, zeigt sich der Tabucharakter des Themas. Es lohnt sich daher typische Strategien im Umgang mit Sterben, Tod und Töten zu betrachten (Adler). Mit der verbreiteten Strategie der Vermeidung werden Tod, Sterben und Sterbende aus der Öffentlichkeit gedrängt oder sie werden in das "Kachelzimmer" verbannt. Schlachthöfe werden, wie früher die Friedhöfe, weit außerhalb der Städte angesiedelt, damit das peinliche Töten der öffentlichen Wahrnehmung entzogen bleibt. Die Strategie einer Versachlichung spielt in der Medizin eine große und charakteristische Rolle: Das Denken über den Tod wird in rationale wissenschaftliche Bahnen gelenkt. In dieser Strategie erscheint alles als vernünftig erklärbar, aber der pragmatische Ansatz läßt die ontologische Perspektive, ihre affektive Seite vermissen. Soziale Sicherheitssysteme, Versicherungsangebote können den Tod nicht verhindern. Am deutlichsten wird die Versachlichung in der Anatomie. Die Identifikation mit dem Tode entspricht wenig unserem Kulturverständnis. Es gilt vielmehr als deren historischer Vorzug, den Tod quasi besiegt zu haben - durch die Fortschritte der medizinischen Bemühungen. Die Tatsache des Scheiterns der Medizin und die Einwilligung in das Sterben geben uns Denkanstöße für die Bewältigung im Rahmen etwa der Sterbebegleitung. Wir sollten uns so mit dem Tode auseinandersetzen, daß wir uns auf seine Unvermeidbarkeit einlassen, auf ihn als auf einen Teil des Lebens einlassen...

Neugierig geworden dann geht es hier weiter zum gesamten Text

Nach oben

Bibeltexte
Trauerbilder
Kontakt
Bruder Nikolaj Bromberg D 54516 Wittlich Bahnhofstr. 31 Tel.:06571/27610 Fax:06571/951218 Email: BruderNikolaj@gmx.de

© 2003-2008 by Gemeinde-Seelsorgedienst-Wittlich