Sterben im Krankenhaus

Zur Begleitung Sterbender gibt es heutzutage umfangreiche Literatur. Trotzdem lassen sich keine allgemein gültigen Regeln aufstellen, sondern die Art und Weise des Begleitens muß bei jedem Todkranken neu entdeckt werden und seiner Persönlichkeit und Situation entsprechen. Ich brauche als Begleiter die innere Bereitschaft, mit dem Kranken dieses letzte Stück seines Weges zu gehen. Dabei werden einige Trennungserfahrungen und Ängste, Gefühle der Hilflosigkeit und Unvollkommenheit spürbar werden und viel Kraft in Anspruch nehmen. Dennoch kann es für alle Beteiligten eine Quelle neuer und positiver Erfahrungen sein.

Sterbende sind einsam. Oft sind sie mit ihren Gedanken und Ängsten, mit der Auseinandersetzung um den Sinn ihres Lebens alleingelassen. Auch wenn sie im Einzelzimmer liegen, sollte ihnen das Gefühl der Isolation erspart bleiben. In Mehrbettzimmer sollte die persönliche Sphäre des sterbenden Mitmenschen nach Möglichkeit gewahrt bleiben.

Die menschliche Anteilnahme. Die menschliche Anteilnahme des Arztes darf nicht plötzlich aufhören, wenn „ medizinisch nichts mehr zu machen ist.“ Konkret: wenn die Visite neben dem Gespräch über medizinische Probleme auch eine persönlich-menschliche Begegnung mit dem Schwerkranken ist, fällt es leichter, ihn über seinen Zustand nicht im Unklaren zu lassen. Die „ Wahrheit am Krankenbett“ ist für den betroffenen Mitmenschen weniger eine medizinische, als vor allem eine existenzielle Frage. Deshalb sollten wir ihm Raum für Hoffnung lassen und ihm behutsam helfen, die Wahrheit über seinen Zustand annehmen zu können.

Die Angehörigen Sterbender sollten bei ihrem Mitmenschen sein können, wann und so lange es dieser wünscht. Es ist auch möglich, daß Angehörige auch nachts bei ihrem Schwerkranken sein dürfen.

Es tut gut, mit dem sterbenden Mitmenschen zusammen zu überlegen, was geschieht und geschehen muß, damit sie die letzte Phase ihres Lebens in Ruhe und Würde abschließen können. Manchmal sind Sterbende – und ihre Angehörigen – medizinische Maßnahmen und Anordnungen unverständlich. Um Aufklärung zu bitten, wagen sie nicht, oder sie sind dazu nicht mehr in der Lage. Deshalb ist es wichtig, daß Sterbende die medizinischen und pflegerischen Maßnahmen als Hilfe verstehen können.

Zur Würde des Sterbenden gehört auch:

  • daß er bis zuletzt er selbst sein kann und darf
  • daß er als Person respektiert wird
  • daß ihm Hemmungen, um nötige Dienstleistungen zu bitten, genommen werden
  • daß ihm kleine Wünsche erfüllt werden
  • daß er das Gefühl haben kann, nicht zur Last zu fallen, sondern geborgen zu sein
  • daß religiöse Bedürfnisse ernst genommen werden und erfüllt werden; denn nicht wenige Sterbende haben den Wunsch, mit einem Seelsorger zu sprechen und von ihm begleitet zu werden.
Wenn der Mitmensch gestorben ist und die nötigen pflegerischen Verrichtungen getan sind, sollte er nicht sofort aus dem Zimmer gebracht werden. Angehörige und Pflegende möchten vielleicht noch Abschied nehmen. Auch dieser Abschied soll in der Würde des Menschen entsprechen und seine Form die Gepflogenheiten der Glaubensgemeinschaft des Gestorbenen berücksichtigen.

Erlauben es die medizinischen Gegebenheiten und ist eine ausreichende häusliche Pflege gewährleistet (z.B. durch die Mithilfe einer Sozialstation etc.), sollten todkranke Mitmenschen – vor allem, wenn sie es selbst wünschen – nach Hause entlassen werden. Hin und wieder ist es nötig, die Angehörigen davon zu überzeugen, daß es besser ist, den Mitmenschen in seiner vertrauten Umgebung vom Leben Abschied nehmen zu lassen.

Schluß: Würdig und mitmenschlich sterben kann man auch im Krankenhaus, wenn der Patient von Mitmenschen betreut wird, die sich auf ihn und seine Situation einlassen, ihm Beistand gewähren und bereit sind, „ nur noch“ Helfer zu sein und mit ihm zusammen in diesem letzten Lebensabschnitt vielleicht einen positiven Sinn zu entdecken.

Ihr

Bruder Nikolaj Bromberg

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Zitat

Todesruf ist auch Lebensruf. Der Tod wird süß, wenn wir ihn bejahen, wenn wir ihn als eine der großen ewigen Formen des Lebens und der Verwandlung annehmen.
(Hermann Hesse)

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