Daniel in der Löwengrube

In dem Spiritual von Robeson heißt es sehr eindrucksvoll: >> why not every man?<< Warum wurde Daniel gerettet, aber nicht jeder von uns ? Darauf gibt es natürlich Eine einfache und selbstverständliche Antwort.

Wer von uns ist denn in die Löwengrube geworfen worden, weil er dem Götzenbild,dem Widergott, die Anbetung verweigerte? Daniel kommt nicht in die Löwengrube, weil er sich mit dem König überworfen hat, er kommt in die Löwengrube, weil erdas Gebot des Königs, das große Götterbild anzubeten, nicht befolgt hat. Darum kann er gerettet werden, insofern erscheint zunächst die Antwort einfach und selbstverständlich, warum nicht jeder, weil nicht jeder von uns - ich auch nicht - so mutig und tapfer wie Daniel ist.

Durch Anbetung Gottes kommt die Welt zu ihrer Rettung.Wie das mit unserem persönlichen Schicksal ist, ist eine andere Frage. Aber dieHeilige Schrift berichtet uns immer wieder eindeutig und eindrucksvoll, daß das Schicksal der Welt, das Schicksal des Volkes, das Schicksal des Menschen, davon Abhängt, daß wir in einer Umgebung die Götzen anbeten, uns von dieser Götzen-Anbetung lossagen und ganz ausschließlich mit allen unseren Sinnen, von ganzem Herzen den einen wahren Gott anbeten und ihm die Ehre geben.

Die große Dürre und Hungersnot in Israel zur Zeit des Propheten Elias mag auch meteorologische Ursachen gehabt haben, aber die eigentliche Ursache war offensichtlich der Abfall des Volkes von Gott. Dafür lassen sich viele Beispiele anführen, und wir sind oft nicht aufmerksam genug in unserem eigenen Leben und in der Geschichte unseres Volkes, unserer Stadt, Ausschau danach zu halten, wo und wie die Umkehr zu Gott, Rettung bedeutet.

Daniel lebt - wie auch wir - in einer komplizierten Welt. Da gibt es verschiedene Ebenen, da gibt es die Ebene des Königs, der den Daniel eigentlich schätzt und Dem es schwer ankommt, sein eigenes Gebot durchzuführen. Da gibt es die Ebene Des Hofstaates, die für die Einhaltung der einmal erlassenen Gesetze und Vorschriften da ist, und sich dafür erbarmungslos, auch gegen die persönlichen Interessen des Königs, durchzusetzen vermag. Da ist das Volk, das unbedacht an der Verehrung des Götzen teilnimmt, das wohl im einzelnen auch persönlich garnicht gefordert wird, eine solche Entscheidung zu treffen, wie sie Daniel und seinen Freunden aus dem Volke Israel, dem erwählten Volke, notwendig und natürlich ist. Da ist die Ebene der Tiere, die sich hier in der Grube befinden. Der Löwe, auch der Löwe Judas, zeigt uns immer wieder in seiner Löwengestalt, daß hier etwas von menschlicher Herrschaft, ja von Gott gesegneter Herrschaft, abgebildet und gegenwärtig wird. Der König hier,hatte die Löwen als seine Wappentiere.

In Bern findet man Bären in einer Bärengrube. Wenn man sich das vorstellt, gewissermaßen nicht die unterste Ebene im Sinn eines Wertes, sondern einfach eine der Grundlagen, die aus dem Tierreich hervorkommt, ist die Löwengrube, das Volk, das unbedarfte Volk - für das auch wir heute noch immer wieder beten, für die Unverständigkeit des Volkes - der Hofstaat, die Hofbeamten, die Formalisten sind, die für das gute Funktionieren einer Verwaltung sorgen, und der König, der nun dieses Bild hat machen lassen, und von dem der Befehl zur Anbetung des Götzen, ausgegangen ist. Das ist das Gegenüber, dem Daniel gegenüber steht, dem König, den Menschen und schließlich, den reißenden wilden Tieren.

Aber in Wirklichkeit steht Daniel, das zeichnet ihn aus und das ist der Grund seiner zeichenhaften Errettung: für alle Zeiten steht Daniel Gott gegenüber. Alles andere sind nur Marginalien, Randerscheinungen. Ganz wichtige, lebensgefährliche Marginalien. Wir dürfen uns auch immer wieder darüber klar sein, daß auch in unserem Leben diese Marginalien, diese Randerscheinungen lebensgefährlich sein können oder lebensspendend. Wir leben nicht immer im Endgültigen und Göttlichen, sondern wir leben häufig auch im Vordergründigen. Daniel nimmt die Entscheidungen seines Lebens aus seiner Begegnung mit Gott. Gott gegenüber zu sein, ihn zu verherrlichen, ist die Mitte, das Ziel, die Fülle, die Kraft des Lebens dieses Propheten. Er kann auch Mut fassen, es heißt: Die Engel werden kommen, daß du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.

Aber der Herr Jesus Christus in der Versuchungsgeschichte, der mit dieser Aussage des Psalters konfrontiert wird, antwortet darauf: du sollst Gott deinen Herrn nicht versuchen. Wir spüren auch in dem Bericht und in dem Verhalten des Daniels nichts davon, daß er sich auf diesen Psalmvers beruft und sagt: Mir kann nichts passieren; er ist sich offenbar klar, wie gefährdet wir sind wie die Männer und Frauen, von denen im Hebräerbrief berichtet wird die einen haben die Erlösung angenommen, die irdische vergängliche, die anderen haben sie nicht angenommen, da sie wußten, daß ihnen noch etwas besseres vorbehalten ist.

Daniel in der Löwengrube

Unser Vertrauen auf die Rettung durch Gott, ist ein Vertrauen, in dem wir Gott volle Freiheit lassen.  Das zeichnet uns aus, uns Christen, vielleicht nicht nur die Christen, daß wir, indem wir mit Gott sprechen, zu ihm beten, ihn anrufen, ihn nicht zu einem mechannistisch wirkenden, magischen Übermenschen machen. In diesem Gott, unserem Gott, unserem Herrn Jesus Christus, dem Lebendigen, ist Freiheit einer unendlichen Fülle gekommen; und so vertrauen wir uns auch dieser Freiheit Gottes ganz und gar an, auch wenn wir ihm kleine und große Anliegen unseres Lebens darbringen.

Rettung, Heilung, sind ein Zeichen, so nach dem Evangelium des Markus. Das sind Zeichen, die der Verkündigung der Jünger begleitend folgen werden. Sie werden auf die Kranken ihre Hände legen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden - Zeichen.

Wofür ist die Rettung des Daniels in der Löwengrube ein Zeichen? Einmal dafür, daß hier ein erster Schimmer der vollendenden Welt durch den Glauben, die Treue und den Mut Daniels lebendig gegenwärtig wird, nämlich, daß der Löwe mit dem Lamm auf der Weide liegt, und das Kind seine Hand in die Höhle des Basilisken stecken wird. Das heißt, daß die Schöpfung wieder zu ihrer friedlichen, zu ihrer sich gegenseitig beschenkenden Herrlichkeit gekommen ist. Es wird nicht berichtet, was die Löwen im einzelnen empfunden haben, aber offenbar ist hier die Feindschaft zwischen dem Raubtier und dem Menschen aufgehoben um Gottes Willen.

Im Licht des heiligen Geistes sind sie miteinander in Frieden geborgen. Aber die Rettung des Propheten hat auch eine Wirkung auf den König. Die Bekehrung des Königs ist vielleicht ein zu modernes Wort, macht aber deutlich, daß das, was sich hier ereignet durch Errettung des Daniels für den König einen neuen Anfang setzt. Es ist Zeit, die in der Löwengrube vergeht, eine der uns immer so schwer ankommenden Gewohnheiten - wenn ich das sagen darf - Gottes; Gott handelt nicht exaphan, plötzlich. Das Plötzliche ist das Dämonische.

Stunden verbringt Daniel in der Löwengrube umgeben von gewaltigen und mächtigen Raubtieren. Vierzig Tage und länger verbringt Noah in der Arche umgeben von den herabstürzenden Wasserfluten. Lange ist Abraham auf dem Wege mit Isaak zum Berge der Opferung bis sein Vaterherz von dem Schmerz errettet wird und Isaak lebt.

Drei Tage ist der Herr Jesus Christus im Grab bis Er hervorkommt zur heiligen und leuchtenden Auferstehung.

Auch in der Heiligen Schrift lesen wir : >> Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.<< In unserem Leben mit Gott geschieht wachsende Lebendigkeit, wir wachsen heran zur vollen Reife, die uns einmal am Ende und in der Fülle der Zeit geschenkt wird.

Die Tiere, die Daniel umgeben, erinnern an viele Tiergötter der Völker. Tiere sind >> eindeutig<<. Das wußten unsere Vorfahren schon, aber das weiß die moderne Menschen - und Tierpsychologie eben auch. Tiere haben eindeutige Verhaltensmuster; man kann ihre Handlungen, wie jeder Zirkus zeigt, jeder Jäger weiß, voraussagen, in kleinen Variationen. Darum waren für die Völker, z.B. für die Ägypter, Tiergötter Zeichen der Eindeutigkeit göttlichen Verhaltens. Aber indem der Mensch in die Mitte der Tiere kommt und ihnen Namen gibt, wie Adam im Paradies, wird diese Eindeutigkeit des Tieres zu einem Lobpreis Gottes; wie denn die Evangelisten durch das Zeichen des Adlers, des Löwen und des Stieres und des Menschen ausgezeichnet sind, um die Eindeutigkeit zu der Vielfalt sichtbar zu machen.

Wunder sind die Zeichen der Allmacht Gottes. Aber daß die Welt so verläuft, daß ein Daniel in die Löwengrube überhaupt geworfen wird, spricht von der Demut Gottes. Als der Herr Jesus Christus gefangen wird, wird zwar offenbar, welche Macht Er hat, die da kommen IHN gefangen zu nehmen, fallen vor Seinem Wort nieder. Aber ER liefert sich ihnen aus: ER lieferte sich selbst aus, und Gott ist der Demütige; und der Schmerz unserer Ungeduld ist die Frucht der Geduld und der Demut Gottes.

Er ist mit uns auf dem Wege, Er führt uns einen weiten und langen Weg. Erst auf diesem Weg oder in diesen Stunden in der Löwengrube wächst jene Kraft in uns heran, für die, die rettende Erlösung durch Gott Grundlage neuen unvergänglichen Lebens ist.

Euer

Bruder Nikolaj Bromberg
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